Wie entsteht das beste Reet?

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Reet ist Schilfrohr

das beste reetEs wächst in der Regel in sumpfigen Gegenden oder an Ufern von Seen. Getrocknetes Reet wurde und wird auch heute noch vielseitig eingesetzt, insbesondere wird Reet verwendet um Dächer zu decken. In Deutschland sind derzeit nur noch ungefähr 20 Prozent der ehemaligen Reetfelder vorhanden. Dies ist unmittelbar auf menschliche Eingriffe, wie beispielsweise die Begradigung von Flüssen oder die Entwässerung durch den Bau von Deichen zurückzuführen, um so die Landwirtschaft zu stärken. Hierdurch ist das Produktionsvolumen an deutschem Reet zurückgegangen und der Verbrauch von Reet in Deutschland kann nicht mehr ohne den Import aus Drittländern wie Polen, Rumänien oder China bewältigt werden.

Gutes Dachreet

Dach gutes ReetWer für sein Dach gutes Reet verwendet profitiert davon langfristig, denn gutes Reet kann eine Lebenserwartung von mehr als 75 Jahren haben. Die Frage ist aber wie entsteht so ein gutes Reet und woran kann man erkennen, ob es sich wirklich um ein qualitativ hochwertiges Produkt handelt?

 

Zuerst einmal ist es wichtig zu beachten, dass gutes Reet nur unter entsprechenden Rahmenbedingungen entstehen kann. Insbesondere der Standort spielt hierbei eine sehr wichtige Rolle. Der richtige Standort ist ausschlaggebend dafür wie nährreich der Boden ist, wie viel Sonnenlicht das Reet erhält, ob es schwierigen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist und natürlich ob eine ausreichende Wasserversorgung gewährleistet ist. Hierbei zeichnen sich manche Gebiete durch ihren natürlichen Standort aus, jedoch werden auch häufig die Umgebung und das Umfeld verbessert, um dadurch die Reetproduktion zu optimieren.

Sobald das Reet an einem guten Standort angepflanzt worden ist, braucht es ein wenig Zeit bis zur Ernte.

Vor der Ernte können bei Feldbesichtigungen Proben des Reets genommen werden. Anschließend können diese in einem Labor untersucht und analysiert werden. In einem Untersuchungsbericht werden die einzelnen chemischen Inhaltsstoffe und deren Relation zueinander deutlicher und können so als Indikator für die Auswahl der richtigen Felder und somit einer erfolgreichen Ernte verwendet werden. Kriterien für die Qualität des Reets sollten ein verhältnismäßig geringer Stickstoffgehalt in Kombination mit einer hohen Dichte der Halmwände sein. Anzumerken ist aber, dass eine Laboruntersuchung jahrelange Erfahrung nicht ersetzen kann. Geübtes Fachpersonal kann ohne eine Untersuchung einschätzen welche Qualität das Reet hat. Hierbei spielen kleine Details wie die Ausprägung der Stoppeln, der Glanz, der durch die wasserabweisende Wachsschicht entsteht, und wie biegsam und frisch das Reet ist.

In der Regel wird Reet während den Wintermonaten geerntet. Der Grund dafür liegt darin, dass durch den Frost, der in den Wintermonaten auftritt, die Ernte erheblich erleichtert wird. Sobald der Reet seine Blätter verloren hat und ausgereift ist, ziehen sich die Nährstoffe der Pflanze aus dem Halm zurück in die Wurzeln. Das Reet sollte mittig abgetrennt werden und gebündelt für einen Zeitraum von zwei bis vier Monaten vor der Aufbereitung getrocknet werden. Wichtig ist hierbei immer darauf, dass das Reet mit ausreichend frischer Luft versorgt ist. Gegebenenfalls sollte es noch mehrmals durchlüftet und aufgelockert werden, da das Reet schlussendlich vollkommen trocken sein muss. Befindet sich nun kein Wasser mehr in dem Reet, kann es weiterverarbeitet werden. Bevor das Reet nun zum eigentlichen Lagerzentrum transportiert wird, sollte noch einmal per Hand überprüft werden, ob es frei von Verunreinigungen und Fremdkörpern ist. Anschließend wird das Reet sortiert und in Großballen zusammengebunden, um so den Transport zu erleichtern.

Sollte das Reet vor seinem Bestimmungsort noch in einem Zwischenlager abgestellt werden, ist hier wieder darauf zu achten, dass der Lagerplatz ausreichend belüftet ist, gegebenenfalls sollte wieder zusätzlich gelüftet und aufgelockert werden. Vor allem atmungsaktive Wände sorgen für eine trockene und besonders gut durchlüftete Einlagerung. Es ist sehr wichtig darauf zu achten, dass das Reet ideal gelagert ist, damit auf dem Weg bis zur Baustelle die Qualität des Reets erhalten bleibt.

 

Reetdächer – Geübte Dachdecker

Geübte DachdeckerLetztendlich ist gutes Reet nur so gut wie der jeweilige Dachdecker, der am Ende für das decken des Daches verantwortlich ist. Reetdächer stellen eine besondere Herausforderung dar und bieten einen großen Handlungsspielraum. Anders als bei anderen Dächern muss hier viel Wert auf Detailarbeit gelegt werden und ein rundes Gesamtbild entstehen. In der Regel beherrscht jeder Dachdecker die Möglichkeit ein Reetdach zu legen, bei hohen Qualitätsansprüchen ist es jedoch ratsam sich einen Profi zur Hilfe zu nehmen. Geübte Dachdecker können durch umfangreiche Erfahrung besser einschätzen, ob das Reet die nötigen Qualitätsanforderungen erfüllt und haben das entsprechende Knowhow auf die Details, auf die es hierbei ankommt, einzugehen. Gleichzeitig kann es hilfreich sein sich bereits früh genug mit einem Architekten bezüglich der Gestaltung und Ausarbeitung des Daches zu beraten, da dieser genauer über die Facetten eines Reetdaches informiert ist.

Es gibt also viele Faktoren zu beachten, die für die Qualität des Reets entscheidend sind. Denn nur das richtige Zusammenspiel aller Faktoren sorgt schlussendlich für die gewünschte Qualität. Es sollte von vornherein mit Experten zusammengearbeitet werden, um späteren Enttäuschungen vorzubeugen. Oftmals ist es etwas teurer sich an diese Richtlinien zu halten, aber zahlt sich auf langfristige Sicht aus, da so kostenintensive Wartungen und Reparaturen nicht anfallen.

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Das Reetdach

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Das Reetdach gehört zu den ältesten Bedachungsarten der Menschheitsgeschichte. Auch heute noch findet das Schilfrohr zum Schutz vor der Witterung auf Dächern seinen Platz. Reetdachdecker bilden einen sehr spezialisierten Berufszweig. Erfahren Sie hier auf Reet-Online.de alles über dieses nachwachsende Eindeckungsmaterial.

Die ersten Reetdächer sind bereits um 4.000 vor Christi Geburt vorgekommen, was durch Funde am Bodensee nachgewiesen werden konnte. Damals deckten die Menschen ihre zum Schutz vor Feinden auf Pfählen im Wasser errichteten Wohnstätten mit dem Schilfrohr. Sie nutzten den im nahegelegenen Sumpfgebiet wachsenden Baustoff, um ihre Häuser gegen die Witterung optimal zu wappnen. Der große Erfolg des Materials als Dacheindeckung liegt vor allem an seinem hohen Siliziumgehalt. Dem ist es zu verdanken, dass die meisten Tiere die Schilfhalme als Nahrung meiden, obwohl sie sehr nährstoffreich sind. Darüber hinaus bietet Silizium eine erhöhte Resistenz gegen einen schnellen Verrottungsprozess. Das mit Schilf eingedeckte Dach gilt zwar als weiche Eindeckung, dennoch ist durch den Silizium-Anteil die Reetdach-Haltbarkeit deutlich erhöht.

Ein Reetdach kann bis zu 40-50 Jahre halten

Verglichen mit einem traditionellen Strohdach ist das Reetdach deutlich langlebiger. Die Reetdeckung hat eine Haltbarkeit von etwa 30 bis 40 Jahren. Damit dies jedoch auch gewährleistet ist, müssen sowohl beim Bau als auch bei der Erneuerung der natürlichen Bedachung wichtige Regeln beachtet werden. Die größte Gefahr für eine Dachdeckung aus Reet stellen Pilze, Pflanzenbewuchs und Tierbefall dar. Gefördert wird diese vor allem durch lang anhaltende Durchfeuchtung des Reets. Wenn jedoch die Richtlinien gewissenhaft befolgt werden, wie von einem spezialisierten Reetdachdecker, ist ein solches Dach viele Jahrzehnte eine schöne und zudem noch natürliche Bedachungsart.
Jedoch kann es beispielsweise durch Unwetter trotzdem zu Schäden am Dach kommen. Um dann nicht allzu hohen Reparaturkosten gegenüber zu stehen, ist es ratsam, eine spezielle Reetdach-Versicherung abzuschließen, die im Schadensfall einspringt.

Voraussetzung für ein langlebiges Reetdach

Für jede Dachdeckung mit Reet ist jedoch ein gründlich geplanter Reetdach Aufbau die Voraussetzung für eine lang anhaltende Freude am Dach aus Schilf. Zunächst sollte die Sonneneinstrahlung auf das Hausdach nicht durch zu hohe oder dicht stehende Bäume und Gebäude eingeschränkt sein. Dies würde eine schnelle Trocknung bei Durchfeuchtung behindern und könnte zu Schimmelbefall führen. Auch der tragende Dachstuhl ist bereits auf eine bestimmte Dachneigung hin zu konzipieren. So garantiert ein Neigungswinkel von über 45° das ungehinderte Abfließen der Wassertropfen von Halm zu Halm. Dadurch wird nur die oberste Reetschicht feucht und die unteren bleiben trocken. Ein Dachüberstand von mindestens 50 Zentimetern leitet das Regenwasser ausreichend weit vom Mauerwerk entfernt in ein Kiesbett oder ein entsprechendes Leitsystem. Die übliche Regenrinne fehlt traditionellerweise.

Damit das Reetdach lange hält, ist es also wichtig, dass es immer gut belüftet und trocken ist. Das macht es natürlich unverzichtbar, dass das Reetdach über Brandschutz verfügt, der Dach und Haus optimal sichert.

Das Reetdach im Wandel der Zeiten

Die Techniken des Aufbaus des Reetdaches haben sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert. Traditionell wird ein solches Dach als Kaltdach konzipiert. Dadurch ist es recht zugig und kühl im Dachgeschoss, was zur Folge hat, dass das Reetdach immer sehr trocken ist. Diese Anwendungspraxis ist in den letzten Jahren immer wieder modifiziert und mit den aktuellen Bauvorgaben in Einklang gebracht worden. Um den Dämmschutz der Konstruktion des Reetdach-Hauses zu verbessern, wird das Naturdach heute zweischalig gebaut. Das heißt, außen wird eine Schicht Reet angebracht, innen eine Wärmedämmung. Der so entstehende Luftraum wird durch eine effektiven Hinterlüftung mit zirkulierender Luft versorgt. Dadurch wird Feuchtigkeit abgeleitet und die Trocknung gefördert.

Nicht nur der Reetdach-Aufbau hat sich gewandelt, auch die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig geworden. Da sich diese natürliche Bedachung sehr großer Beliebtheit erfreut, gibt es inzwischen auch Fertighäuser mit Reetdach im Portfolio der namhaften Hersteller. Wer nicht über die Möglichkeit oder Voraussetzungen verfügt, ein Reetdach für sein Eigenheim bauen zu lassen, jedoch nicht gänzlich auf das dekorative Schilfdach verzichten möchte, kann auch einen Reetdach Pavillon wunderbar als Blickfang im Garten inszenieren.

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